Vor einiger Zeit las ich vom Elchkalb Smilla aus dem Wildpark Lüneburger Heide, das sich herzerwärmend vom Rest seiner Artgenossen abhebt. Smilla hat Schlappohren! Ein bisschen peinlich ist das ja schon, haben doch eher Kaninchen oder Rauhaardackel diese Ohrenform, während sich der Normalelch mit breiten langen Ohren schmückt, die am Ende spitz zulaufen. Keine Sorge, mit Smilla ist alles in Ordnung, sie ist putzmunter und bei bester Gesundheit und auch ihre Eltern kümmern sich liebevoll um sie. Und vor allem ist sie die neue Attraktion des Wildparks und alle sind ganz hingerissen von ihr.
Weitere gute Erfahrungen mit einem körperlichen Makel machte die schielende Beutelratte Heidi. Das Opossum aus dem Leipziger Zoo wurde weltberühmt und hatte sogar eine eigene Facebook-Fanseite. Ende September hat sie leider ihre schielenden Augen für immer geschlossen und trotzdem hat sie es noch als „Cover-Girl“ auf den Kalender 2012 des Leipziger Zoos geschafft.
Drei „Stars“, die also auf Grund ihres vermeintlichen Defizits groß rausgekommen sind. Und was können wir von diese Tieren lernen: Makel können doch etwas wunderbares sein.
Überlegen Sie doch mal, welche (vermeintliche?) Schwäche Sie zu etwas ganz Besonderem macht. Vielleicht ist eine Schwäche oder ein Defizit nicht doch für etwas gut? Vielleicht hat sich daraus längst eine wichtige Stärke entwickelt?
Alles ist für irgendetwas nützlich. Seien Sie nicht immer so streng mit sich. Wie langweilig wäre die Welt, wenn wir alle perfekt wären. Gerade Schönheitsfehler, Unvollkommenheit, Macken und Ticks machen einen Menschen aus und können zum Markenzeichen werden. Sie machen uns zu etwas Besonderem, Einzigartigen und geben uns echtes Profil
In diesem Sinne: Halten Sie die Ohren steif – oder lassen Sie sie einfach mal hängen, wie Smilla ;-)

